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Wall Street: Die Party dauert an

Datum: 04.03.2024 

​​​​​​​​​​​Die Anlage-Experten der Graubündner Kantonalbank informieren im GKB Anlage-Fokus wöchentlich über das aktuelle Finanzgeschehen. Gemeinsam mit Jens Korte werfen wir in einen Blick auf die ​Wallstreet.​​​

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Jens Korte, blicken wir zuerst auf die bekannteste aller Kryptowährungen, auf den Bitcoin. Er hat einen rasanten Anstieg hinter sich, was treibt den Bitcoin derart in die Höhe?

Die Märkte ziehen seit Monaten kräftig an, und das gilt nicht nur für Aktien, sondern auch für Kryptowährungen. Im Speziellen für den Bitcoin, der nach November 2021 mit dem Allzeithoch von 69'000 Dollar liebäugelt. Nachdem die Krypto-Leitwährung in der Pandemie seinen Rekord geknackt hatte, ging es mit Bitcoin und den Kryptowährungen allgemein steil nach unten. 

Die aktuelle Hausse ist auch damit zu erklären, dass an der US-Börse neu auch der Handel von 11 Bitcoin-ETFs zugelassen ist. Das lockt neue und tendenziell seriösere Investoren an – erzeugt also zusätzliche Nachfrage. Zum anderen wurde angekündigt, dass das Angebot an neuen Bitcoins leicht gebremst werden soll. Wenn die Nachfrage steigt und das Angebot knapper wird, dann steigt der Preis. Aber insgesamt sind Bitcoin für mich noch immer kein Investment, sondern mehr ein Spekulationsobjekt. Ein Indiz dafür: Der Bitcoin-Kurs ist in den letzten zwei Monaten um 48 Prozent in die Höhe geschossen – ein enormer Anstieg, der sich fast nur mit Spekulation erklären lässt.


Was treibt allgemein die Hausse an, die wir sowohl an den traditionellen Märkten wie auch im Krypto-Bereich seit einigen Monaten sehen?

Was sowohl die Aktienmärkte wie auch die Kryptowährungen motiviert hat, war die Ankündigung der US-Notenbank im Herbst, dass die Zeit der Zinsanstiege nun vorüber ist. Das hat die Geldschleusen geöffnet, und die Investoren – im Krypto-Bereich wohl eher Spekulanten – sind stärker ins Risiko gegangen. Davon haben die Märkte insgesamt und eben auch die Kryptowährungen profitiert. Die Rekordjagd des Bitcoins, wie gesagt, wurde zusätzlich durch die zugelassenen ETF befeuert. Kurzfristig ist es gut möglich, dass die Wall Street eine etwas defensivere, weniger risikoreiche Gangart einschlägt, denn die Preissprünge der letzten Monate waren gewaltig. Wie es danach weitergeht, hängt stark von der amerikanischen Notenbank ab. Bisher warten wir auf die erste Zinssenkung. Sobald sich diese aber klar abzeichnet, dürfte wohl nochmals ein Schub durch die Märkte gehen.


Die Euphorie an den Aktienmärkten scheint grenzenlos, ist diese berechtigt?

Hier spielt sicherlich eine Rolle, wie viele der kommenden positiven Nachrichten die Märkte schon eingepreist haben. Der PCI-Index, das Inflationsbarometer, auf welches sich die US-Notenbank primär stützt, ist genauso gestiegen, wie es die Ökonomen vorausgesagt haben. Das hat die Märkte dann nochmals leicht angehoben, dennoch war es keine Überraschung mehr. Allgemein rechnen viele Analystinnen und Analysten mit abnehmender Inflation, mit sinkenden Zinsen und eben auch damit, dass die Rezession in den USA ausbleibt. Es ist also gut möglich, dass diese Entwicklung in den aktuellen Marktpreisen schon eingerechnet ist und ein erneutes Kursfeuerwerk ausbleibt.






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