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Fed und EZB erhöhen Leitzinsen – Inflation weiterhin zu hoch

Datum: 28.07.2023 

​Die US-Notenbank Fed stellt trotz positiver Indikatoren keine Zinssenkungen im laufenden Jahr in Aussicht. Die Europäische Zentralbank erhöht den Leitzins erneut. Die Inflation ist massgebend für die weitere Zinsentwicklung. Die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaftsentwicklung ist unserer Meinung nach zunehmend fraglich.

Die US-amerikanische Notenbank (Fed) hat den Leitzins am Mittwoch um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 5.25 bis 5.50 Prozent erhöht. Im Juni hatte das Fed noch eine Zinspause eingelegt, um die Auswirkungen der bisherigen Zinserhöhungen besser einordnen zu können. Der Vorsitzende der US-Notenbank Jerome Powell sagte am Mittwoch, dass die Mitarbeitenden der Zentralbank in diesem Jahr nicht mehr mit einer Rezession in den USA rechnen.

Markteinschätzungen zufolge könnte das Ende der Zinserhöhungen nun erreicht sein. Die Fed hingegen tendiert dazu, den Leitzins an der nächsten Sitzung im September nochmals zu straffen und stellt keine baldigen Senkungen in Aussicht. Im Industriesektor sind die durch die Lieferkettenverzögerungen verursachten Auftragsrückstände allmählich abgearbeitet und die Dynamik lässt nach. Ein robuster Arbeitsmarkt im Dienstleistungssektor und weiterhin steigende Löhne, sind für die Notenbank ein Zeichen, dass mit den bisherigen Massnahmen noch nicht die erwünschte Wirkung erzielt wurde.

Positive Signale folgten am Donnerstag mit der Veröffentlichung des vom Fed oft zitierten Kerndeflators. Dieser fiel für das zweite Quartal 2023 mit 3.8 Prozent tiefer aus als erwartet und könnte als potenzielles Indiz für ein anhaltendes Nachlassen der Inflation interpretiert werden. Dennoch verharrt dieser Wert deutlich über dem angestrebten Wert von 2 Prozent.


Weitere Zinserhöhung in der Eurozone
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat gestern den Leitzins ebenfalls um weitere 25 Basispunkte angehoben. In der Pressemitteilung heisst es, dass die Inflation voraussichtlich «zu lange zu hoch bleiben wird». Die EZB wird daher die Zinsen so lange in einem genügend restriktiven Bereich halten, bis die Inflation zum mittelfristigen Inflationsziel von 2 Prozent zurückkehrt. Die Entwicklung der Inflationsdaten ist damit auch ausschlaggebend dafür, ob die EZB die Zinsen Mitte September ein weiteres Mal erhöhen oder eine Zinspause einlegen wird. Eine Zinssenkung schliesst EZB-Präsidentin Christine Lagarde aus.

 

 

 

Finanzmärkte reagieren unbeeindruckt
Der Zinsentscheid der US-Notenbank in diesem Rahmen war weitgehend erwartet worden und so reagierten die heimischen Aktienmärkte kaum und schlossen praktisch unverändert. Lediglich die Technologietitel verloren etwas an Boden, was jedoch nicht dem Zinsentscheid zuzuschreiben war. Auch die Zinspapiere reagierten verhalten auf den Zinsentscheid. Die EZB hat im Anschluss an ihre Zinserhöhung angekündigt, dass sie bei den weiteren Sitzungen im Herbst datenbasiert  entscheiden werde. Dies wurde an den Märkten in der Eurozone positiv aufgenommen und die Aktienindizes haben deutlich zugelegt. Der US-Dollar wertete im Anschluss an die Sitzung des Fed leicht ab, konnte die Verluste gegenüber dem Euro und dem Schweizer Franken nach der Sitzung der EZB aber wiederum aufholen. Der Euro hingegen musste gegenüber allen G10-Währungen Verluste hinnehmen.

 

GKB Einschätzung: Ausblick bleibt herausfordernd
In den meisten grossen Volkswirtschaften hat sich die Wirtschaft im 1. Halbjahr 2023 besser entwickelt als erwartet. Der wirtschaftliche Ausblick bleibt aber herausfordernd.  Die weiterhin restriktive Geldpolitik und die strafferen Finanzbedingungen werden in den kommenden Monaten zu einer spürbaren Wachstumsverlangsamung führen. Zwar ist die Inflation seit einigen Monaten rückläufig, doch in vielen Ländern bleibt sie auf zu hohem Niveau. Spielraum für Zinssenkungen ist damit nicht vorhanden.

Die US-Wirtschaft zeigt sich sehr widerstandsfähig und hat die bisherigen Zinserhöhungen relativ gut verkraftet. Es wird immer wahrscheinlicher, dass in den USA in diesem Jahr eine Rezession verhindert werden kann. Die strafferen Finanzbedingungen haben jedoch einen klar dämpfenden Effekt auf die Wirtschaft. Der nächste Zinsentscheid in den USA steht erst im September an. Damit hat die Fed nun mehr Zeit, die eingehenden Wirtschaftsdaten zu bewerten. Wenn sich die hartnäckige Inflation im Dienstleistungssektor fortsetzt, die Löhne weiterhin steigen und der Arbeitsmarkt robust bleibt, wird sich die Fed zu einer weiteren Zinserhöhung veranlasst sehen. Die Rezession würde damit möglicherweise nur verzögert, aber nicht verhindert. Aufgrund der weiterhin trägen Entwicklung bei der Kerninflation rechnen wir nicht mit raschen Zinssenkungen in den USA.

Das Wirtschaftswachstum wird auch im Rest der Welt schwach ausfallen und dieser Trend dürfte auch über 2023 hinaus anhalten. Dies aufgrund fehlender Impulse. Die Wirtschaft in der Eurozone befindet sich in einer technischen Rezession. Trotzdem hat die EZB hat den Leitzins weiter erhöht – zum neunten Mal in Folge. Die Eurozone befindet sich im Inflations- und Zinszyklus einige Monate hinter den USA. Die EZB hat einzig das Mandat zur Sicherstellung der Preisstabilität (im Gegensatz zu der Fed, welche zusätzlich auch ein Höchstmass an nachhaltiger Beschäftigung sicherstellen muss) und kann sich deshalb voll und ganz auf die Reduktion der Inflation konzentrieren.

Der Zinspeak ist unserer Einschätzung nach aber auch in der Eurozone nicht mehr weit entfernt. Der Leitzins befindet sich nämlich mittlerweile deutlich im restriktiven Bereich. Da die EZB zukünftig noch stärker auf die jeweils neusten Datenveröffentlichungen fokussiert, besteht eine gewisse Prognoseunsicherheit. Sollte die Kerninflation bis in den Herbst nicht wie erwartet fallen, sind weitere Zinsschritte im dritten Quartal nicht auszuschliessen. Dies würde die Wirtschaft in der Eurozone in eine stärkere Rezession treiben.


Defensive Ausrichtung bevorzugt
Die positive Entwicklung an den Finanzmärkten im laufenden Jahr ist aus unserer Sicht nach wie vor trügerisch. Auf der Aktienseite hat die Marktbreite zuletzt zugenommen. Die Quartalsergebnisse der Unternehmen sind jedoch eher gemischt ausgefallen. An den wirtschaftlichen und geldpolitischen Herausforderungen hat sich nichts grundlegendes geändert. Die relative Widerstandsfähigkeit der Wirtschaftstätigkeit ist auf mehrere angebots- und nachfrageseitige Wachstumsstützen sowie auf die Tatsache zurückzuführen, dass die volle Wirkung der geldpolitischen Straffung erst nach und nach eintritt. Wenn jedoch die verschiedenen Rückenwinde nachlassen und die Zinserhöhungen Wirkung zeigen, ist es unwahrscheinlich, dass die Widerstandsfähigkeit der globalen Wirtschaft von Dauer sein wird. Wir halten deshalb an der defensiven Ausrichtung fest.

 

Gemeinsam wachsen.