Wie hoch sind die neuen Zölle von US-Präsident Trump und welche Auswirkungen haben sie auf die US-Wirtschaft?
Ab dem 9. April führt die USA für bestimmte Handelspartner, deren Zölle oder Handelsbarrieren die US-Regierung als überhöht einstuft, Gegenzölle ein. Zusätzlich verhängte Trump ab dem 5. April einen pauschalen Zoll von 10 Prozent auf alle anderen Länder. Präsident Trumps länderspezifische Gegenzölle übertreffen die Erwartungen und erreichen einen importgewichteten Durchschnitt von 15 Prozent – den höchsten Wert seit 100 Jahren. Das heisst pro "importiertem Dollar" fallen 15 Cent an Zöllen an. Dies hätte jährlich zusätzliche Zolleinnahmen von bis zu 700 Milliarden US-Dollar zur Folge, was aktuell 2.3 Prozent des US-Wirtschaftswachstums entspricht. Der US-Präsident lud zwar zu Handelsgesprächen ein, knüpfte diese jedoch an Bedingungen wie niedrigere Zölle, den Abbau von Handelshemmnissen oder zusätzliche Investitionen in den USA. Die vom US-Präsidenten verhängten Zölle sind Teil einer Handelspolitik, die darauf abzielt, die US-Wirtschaft zu schützen und Handelsungleichgewichte abzubauen. Die wirtschaftlichen Folgen für die USA hängen davon ab, wie diese Einnahmen verwendet werden: Steuerentlastungen könnten die negativen Effekte auf das Wachstum abfedern, während Schuldenabbau eine Rezession wahrscheinlicher machen würde. Die Inflation in den USA könnte auf über vier Prozent steigen. In diesem Szenario dürfte die US-Notenbank den Leitzins in diesem Jahr nicht weiter senken.
Welche Auswirkungen haben diese Zölle auf die Schweiz?
Die Schweiz wird mit einem Sonderzoll von 31 Prozent belegt, wobei es aktuell noch Ausnahmen für Pharmaprodukte gibt. Grundsätzlich sind alle Zölle für die exportorientierte Schweiz problematisch, insbesondere die Bereiche Maschinen, Pharma sowie Präzisionsinstrumente sind stark vom US-Markt abhängig. Jetzt kommt es vor allem auf drei Punkte an:
- Wie gross die Auswirkungen der Zölle für die Schweiz sind.
- Wie erfolgreich Verhandlungen über eine Reduktion bestehender Zölle verlaufen.
- Wie stark die Gegenmassnahmen ausfallen.
Die neuen Zölle könnten die Wettbewerbsfähigkeit von Schweizer Unternehmen deshalb direkt schwächen. Eine steigende Inflation in den USA könnte zu einer weiteren Aufwertung des Schweizer Frankens führen, was Exporte in die USA zusätzlich verteuern würde. Je nach Eskalation des Handelskonflikts könnte eine globale Konjunkturabschwächung die Weltwirtschaft insgesamt treffen.
Wie könnte die Schweiz auf diese Zölle reagieren?
Trumps Zölle stellen eine erhebliche Bedrohung für die Schweizer Wirtschaft dar, mit potenziellen Auswirkungen auf Exporte, Inflation und Wirtschaftswachstum. Die Schweiz wird versuchen, über diplomatische Kanäle eine Reduzierung der Zölle zu erreichen. Die SNB wird die Entwicklungen genau beobachten und gegebenenfalls Massnahmen ergreifen. Nach den neuesten Entwicklungen rechnen Marktteilnehmende nun mit einer etwas höheren Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinssenkung der SNB in diesem Jahr. Der Bundesrat kommunizierte vorerst, keine unmittelbaren Gegenmassnahmen einzuleiten. Eine Zunahme der handelspolitischen Spannungen liegt nicht im Interesse der Schweiz.
Welche Auswirkungen haben die Zölle auf die Finanzmärkte?
Die Finanzmärkte haben mit starken Verlusten auf die neuen Zölle reagiert. Auffällig war dabei, dass vor allem US-Aktien deutlich an Wert einbüssten. Dies reflektiert auch unsere Meinung, dass diese globalen Zölle vor allem den USA und den US-Konsumenten schaden. Damit hat sich die Abkehr von US-Aktien nochmals verstärkt. Die Preisreaktion von gestern war historisch. Denn nebst US-Aktien hat auch der US-Dollar deutlich an Wert verloren und die Zinsen sind ebenfalls gesunken. Dies deutet auf erhöhte Risiken einer starken Wirtschaftsabschwächung in den USA hin. Wir rechnen aber nicht mit einer Rezession. Die Unsicherheiten werden aber noch einige Zeit bestehen bleiben und auch in den nächsten Wochen für eine erhöhte Volatilität sorgen. Wir denken trotzdem, dass sich die Aktienmärkte mittelfristig bis Ende Jahr wieder erholen werden. Der US-Aktienmarkt verliert aber stärker an Schwung und ist aufgrund der noch immer hohen Bewertung anfällig für weitere Korrekturen. Die Geschichte lehrt uns, dass Phasen von grosser Unsicherheit mittel- bis langfristig gute Einstiegspunkte in den Aktienmarkt sind. Daher ist jetzt Geduld und ein diversifizierter Anlageansatz gefragt - mit aktuell etwas weniger Fokus auf die USA.